Auslöser von Trotzanfällen bei Kindern – so kannst du dein Kind besser verstehen

Aktualisiert: 2. Dez 2020

Dein Kind wehrt sich vor dem Anziehen, will eine Treppe partout nicht hochgehen oder dreht durch, weil es das zweite Stück Kuchen nicht auch noch essen soll?

Hinter diesen scheinbaren Trotzanfällen stecken oft echte Gründe.

In diesem Artikel erfährst du, wieso sich dein Kind so verhalten könnte und erfährst einige Tricks, die dir dabei helfen sollen mit solchen Situationen besser umgehen zu können, um euch beiden das Leben leichter zu machen.


Stell dir vor, ihr wohnt im 1. Stock und wollt einen Ausflug zum Spielplatz machen. Dein Liebling hat sich auch schon die ganze Zeit darauf gefreut.

Normalerweise trägst du eure Jacken die Treppe hinunter bis zur Haustür und ihr zieht sie dort gemeinsam an. Da du jedoch diesmal noch vorher die dreckige Wäsche in den Keller bringen möchtest, hast du keine Hand frei, um die Jacken zu tragen. Du ziehst deine Jacke schon einmal an und bittest dein Kind, seine Jacke auch bereits in der Wohnung anzuziehen. Dein Liebling weigert sich vehement dagegen und läuft immer wieder durch die ganze Wohnung davon.


Der Trotz deines Kindes hat einen Grund:


Trotzanfall aufgrund von Abweichen gewohnter Routinen:

Du bist von der gewohnten Routine abgewichen – nun versteht dein Kind die Welt nicht mehr. Es möchte doch einfach wie immer raus gehen und freut sich auf den Spielplatz.

Dem Gehirn von Kleinkindern fällt es einfach schwer auf flexible Veränderungen zu reagieren. So sind sie in diesen Momenten schlichtweg überfordert und reagieren darauf mit Widerstand.

Mögliche Lösung: Versuche deinem Kind ruhig und einfühlsam zu erklären, dass du die Jacken heute nicht heruntertragen kannst, da du die dreckige Wäsche tragen musst. Du könntest deinem Kind auch die Aufgabe geben die Jacke diesmal selbst zu tragen und langsam vor ihm her laufen, damit es die Treppe nicht herunterfällt. Auch das Kind als erstes runter zu bringen und dann noch einmal die Wäsche zu holen könnte eine Möglichkeit sein, in dieser Situation dem Trotzanfall vorzubeugen.

Auch wenn du deinem Kind die ganze Situation ruhig erklärt hast und dein Kind sich beruhigt hat, kann es sein, dass es sich erst einmal anders verhält, als du es erwartest. Lass ihm dann etwas Zeit. Meist dauert es ein bisschen, bis die für ihn neue Situation, von ihm verstanden wird. Manchmal muss dein Kind auch noch eine Kleinigkeit erledigen, die ihm sehr wichtig erscheint, bevor es losgehen kann. So kann es durchaus sein, dass dein Kind noch einmal in sein Zimmer oder ins Badezimmer läuft, um z.B. seine dreckigen Socken zu holen, die es dann noch mit in den Wäschekorb schmeißt.


Trotzanfall aufgrund anderer Empfindungen:

Vielleicht war deinem Kind aber auch so warm, dass es nicht verstehen konnte, dass es die warme Jacke schon in der Wohnung anziehen sollte. Auch wenn es für dich gerad ok ist, die Jacke anzuziehen, da es so warm ja gar nicht ist und ihr ja eh gleich draußen seid, fühlt sich die Temperatur für deinen kleinen Schatz höchstwahrscheinlich ganz anders an. Kinder rennen in der Wohnung oft auf und ab und legen in kürzester Zeit viel mehr Schritte zurück als wir Erwachsene. Deinem Kind ist eventuell so warm, dass es viel eher versteht die Jacke im kühleren Hausflur anzuziehen, als oben in der warmen Wohnung.


Trotzanfall aufgrund von Müdigkeit

Auch Müdigkeit kann zu scheinbaren Trotzanfällen führen. Dein Liebling soll sich nach dem Aufstehen anziehen, damit ihr anschließend frühstücken, Zähne putzen und dann zum Kindergarten fahren könnt. Es will aber einfach nicht aus dem Schlafanzug raus? Das kann mitunter so nervig sein, dass man der Drohung „Dann gehst du eben mit dem Schlafanzug zum Kindergarten!“ nicht weit entfernt ist oder sie eben ausspricht.

Solch eine Drohung verändert an der Situation meist nicht viel und wenn du sie eh nie durchführen würdest, solltest du sie nicht aussprechen. Viele Kinder sind einfach Morgenmuffel und brauchen erst ein bisschen Energie, um in den Tag zu starten.

Ein bisschen Kuscheln mit Mama oder Papa kann da Wunder bewirken. Du kannst dir auch überlegen das Anziehen einfach ein wenig nach hinten zu verschieben. Schließlich kann man auch im Schlafanzug wunderbar frühstücken und Zähne putzen. Der Vorteil daran wäre auch, dass die frische Kleidung nicht dreckig werden kann ;-)

Nach dem Frühstücken oder Zähne putzen findet sich dann bestimmt ein passender Moment zum entspannten Umziehen.

Die frischen kalten Klamotten vor dem Anziehen auf der Heizung anzuwärmen kann jedoch auch helfen, um sie lieber gegen den warmen kuscheligen Schlafanzug tauschen zu wollen.


Jetzt weißt du zwar mögliche Gründe, die einen Trotzanfall bei deinem Kind auslösen können. So kannst du sicher auch einigen Anfällen vorbeugen. Es gibt jedoch noch viel mehr Gründe, warum ein Kind einen Trotz-, Wut- oder Tobsuchtsanfall bekommen kann. So können z.B. auch Lärm, Hunger oder Grenzen austesten Ursachen sein. Daher ist es hilfreich zu wissen, wie du dein Kind nach einem Trotzanfall beruhigen kannst:

3 Schritte, um dein Kind bei einem Trotzanfall zu beruhigen


spätere Ergänzung: Beim Schreiben dieser Artikelreihe hat mich die ganze Zeit das Wort "Trotzanfall" und vor allem "Anfall" genervt! Das klingt unseren Kindern gegenüber so abwertend und ist einfach blöd! Lasst es uns doch einfach "Gefühlssturm" nennen! Schließlich ist es das doch viel eher!




Das könnte dich auch interessieren:

Trotzphase Teil 1 von 3: Was passiert im Gehirn deines Kindes bei einem Trotzanfall?

Trotzphase Teil 3 von 3: 3 Schritte zur Beruhigung bei einem Trotzanfall

*Graf, D. & Seide, K. (2016). Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen. Beltz Verlag.


Hier geht es zurück zur Startseite.