Brauchen Kinder Grenzen?

Du hast bestimmt schonmal den Satz gehört "Kinder brauchen Grenzen". Was meinst du? Brauchen sie Grenzen? Ich muss sagen, dass ich durch diesen Satz immer etwas verunsichert wurde, bis ich das Buch von Nora Imlau "Mein Familienkompass" gelesen habe.


Ersetz doch mal den Begriff "Kinder" durch andere Wörter: "Frauen brauchen Grenzen", "Muslime brauchen Grenzen". Puh...diese beiden Sätze hören sich für dich bestimmt genau so unangebracht an, wie für mich. Der Satz: "Eine bestimmte Gruppe von Menschen braucht Grenzen" ist schlichtweg Diskriminierung*. So spricht der Satz "Kinder brauchen Grenzen" unseren Kindern ihre Würde ab und geht davon aus, dass sie eine besondere Einschränkung benötigen*. Dabei wollen wir sie doch gleichberechtigt erziehen und sie bei der Entwicklung ihrer Selbstständigkeit unterstützen.

Leider werden Kinder in unserer Gesellschaft immer noch häufig benachteiligt. Dieses Beispiel zeigt, dass man es mitunter nicht einmal direkt merkt.


Trotzdem ist an dem Satz was Wahres dran. Er ist inhaltlich korrekt. Denn jeder Mensch braucht Grenzen, auch Du. Allerdings keine, die dich einschränken, sondern welche, die dich und deine Bedürfnisse schützen*.


Wenn du z.B. ein Schreikind hast oder deine Kinder einen Trotzanfall nach dem nächsten haben, ist die Grenze deiner Geduld irgendwann erreicht. Versuche die Situation zu verändern, bevor die Grenze überschritten wird. Atme tief durch, bitte z.B. deinen Partner zu übernehmen, nimm die Hilfe der Großeltern in Anspruch oder wirf kurzerhand die Pläne über Board und macht mal was ganz anderes.

(Wie du bei Trotzanfällen handeln kannst, kannst du hier nachlesen).


Das Gleiche gilt aber auch für dein Kind: Wenn es von einem Geburtstag mit vielen Eindrücken oder nach einem harten Schultag nach Haus kommt und seine Ruhe braucht, zwinge es nicht, noch die Oma anzurufen oder direkt mit den Hausaufgaben zu starten. Sondern nimm auf seine Grenzen Rücksicht.


Besonders bei Babys werden die Grenzen oft überschritten. Häufig sind vor allem die Väter so stolz auf ihren Nachwuchs, dass sie es am liebsten jedem sofort zeigen wollen. "Wir müssen ja noch Onkel Alfred besuchen und da Uroma Marta auf dem Weg wohnt können wir ja da auch noch kurz vorbei fahren... und meine Mutter hat am Sonntag Geburtstag, da kommt dann auch mein Bruder, der hat unser Kleines ja auch schon lange nicht mehr gesehen.." - denk daran, dass es vor allem in den ersten Monaten bei Babys schnell zu einer Reizüberflutung kommen kann, da sie im Gegensatz zu uns z.B. noch nicht in der Lage sind bestimmte Geräusche herauszufiltern, sodass sie z.B. bei einem Geburtstag jedes Geräusch wahrnehmen - die Kaffeemaschine, das Husten von Onkel Werner, das Schmatzen von Tante Ursula, das Klirren des Geschirrs, das Bellen des Hundes vom Nachbarn, usw. und schnell davon überfordert sein können. Wenn du dein Baby beobachtest und es etwas länger kennst, dann wirst du dies jedoch schnell bemerken und kannst für deinen Liebling die Situation so verändern, dass es nicht an seine Grenzen gerät.

So kann es mitunter zwar vorkommen, dass ihr einen Geburtstag bereits nach 5 Minuten verlasst oder euch zurückziehst. Denk immer daran, dass dies nur in der Anfangszeit deines Babys so ist. Später wirst du wahrscheinlich an der Tür stehen und einen Geburtstag verlassen wollen, während dein Kind noch länger dableiben möchte ;-)



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*Imlau, N. (2020). Mein Familienkompass. Ullstein Verlag