Wie du die Psyche deines Kindes schützen kannst

Aktualisiert: Okt 13

Das Stichwort heißt Resilienz und ist laut der Autorin Rebecca Böhme die Fähigkeit des menschlichen Körpers, nach starkem Stress oder negativen Erlebnissen wieder eine körperliche und psychische Balance zu finden. Je besser diese Resilienz bei einer Person ausgebildet ist, desto widerstandsfähiger ist ihre Psyche.

Doch wie schaffen wir es, dass unsere Kinder eine hohe Resilienz erlangen? Im Folgenden erfährst du, worauf du in der Schwangerschaft achten kannst und wie du dann während der Kindheit verfahren kannst, um dein Kind dabei zu unterstützen, eine hohe Widerstandsfähigkeit seiner Psyche zu erlangen.


In der Schwangerschaft

Es fängt bereits in der Schwangerschaft der Mutter an. Leidet die Mutter in dieser Zeit unter Stress und Traumata, reduziert dies die Resilienz des Kindes. Das Kind wird darauf vorbereitet, dass die Mutter in einer gefährlichen Welt lebt und kommt daher aufmerksam und mit einer ständigen Alarmbereitschaft zur Welt. In der Zeit, in der es noch Säbelzahntiger gab, machte es evolutionsbedingt auch Sinn und verschaffte dem Baby eine bessere Überlebenschance gegenüber dem lebensbedrohenden Tier. In der jetzigen Zeit führt das erhöhte Stressniveau jedoch eher zu psychischen Erkrankungen.* Suche jetzt bloß nicht die Schuld bei dir, falls die Widerstandsfähigkeit deines Kindes nicht die Größte ist. Gesellschaft und Politik sind laut Böhme gefragt, Maßnahmen, wie die Erweiterung der Elternzeit um eine Schwangerenzeit oder finanzielle Entlastung für Haushaltshilfen anzubieten, um die Mütter zu entlasten. Da die Politik meist leider in solchen Dingen nicht besonders schnell agiert, könntest du dir z.B. überlegen, deinen schwangeren Freundinnen oder Nachbarinnen einen kleinen Gefallen zu tun, um sie zu unterstützen. Wenn du selbst gerade schwanger sein solltest, können dir aber auch Meditationsapps wie z.B. Headspace helfen, deine Energie innerhalb von wenigen Minuten etwas aufzuladen und somit dem Stress entgegenzuwirken. Auch die Möglichkeit, dass du deinen Job auf bis zu 60% reduzieren kannst, wenn du dich dadurch zu überlastet fühlst, könntest du nutzen. Wenn du selbstständig sein solltest, ist dies natürlich wieder etwas anderes. Wenn dir andere Leute zu etwas raten mit dem du dich unwohl fühlst, nimm es nicht allzu ernst und lass dich nicht ärgern. Erkläre ihnen, dass du dich über das Thema informieren und dich dann entscheiden wirst.

Während der Kindheit

Wenn dein Kind bereits da ist, solltest du wissen, dass das kindliche Gehirn sehr anpassungsfähig und flexibel ist. So wird die psychische Widerstandsfähigkeit eines Menschen besonders durch das, was er in der Kindheit gelernt und erfahren hat, beeinflusst.*

Damit dein Kind lernt sich selbst etwas zuzutrauen und sich selbst zu vertrauen, lass es möglichst viel selbst ausprobieren. Traue ihm etwas zu, sodass es lernt, sich selbst etwas zu zutrauen. Natürlich solltest du ein Auge darauf werfen, wenn es sich in einer Umgebung bewegt, in der es sich ernsthaft verletzten kann, sodass du im Notfall eingreifen kannst. Am einfachsten machst du es euch jedoch, wenn du euer Zuhause so gestaltest, dass dein Kind sich alleine bewegen kann, ohne, dass immer jemand hinter ihm her laufen muss oder ihm etwas verboten werden muss.

So kannst du z.B. einige Schränke so umräumen, dass dein Liebling sich mit den Inhalten nicht verletzen und sie allein aus- und einräumen kann. Befülle die unteren Fächer z.B. mit Tupperdosen und stelle Reiben usw. weit nach oben außer Reichweite. Einige Schränke kannst du auch mit Kindersicherungen versehen. Hier eine, die nicht direkt von außen sichtbar ist.

Statt nur „Nein, das ist gefährlich“ zu sagen, erkläre deinem Kind warum es gefährlich ist, was wird passieren, wenn es das macht oder versuche ihm die Konsequenz zu verdeutlichen. Wenn es sich z.B. auf einen Stuhl stellt und sich gegen die Lehne lehnt, erkläre ihm, dass der Stuhl so umfallen kann und sage ihm, dass er ihn daher vorher erst gegen eine Wand schieben sollte.

In dem Beitrag 2 Alternativen zum Wegnehmen erfährst du zwei Alternativen zum Neinsagen.

Erkläre ihm auch, was passiert ist, wenn es sich weh getan hat. „Schau mal, du hast dir hier unter dem Tisch den Kopf gestoßen.“ Manchmal probieren die Kleinen es sogar noch einmal aus, um herauszufinden, was eigentlich gerade passiert ist. So schlug mein Sohn anfangs extra seinen Hinterkopf nochmal sanft gegen die Wand, weil er herausfinden wollte, was da hinter ihm ist.

Ein wichtiger Bestandteil von Resilienz ist laut Böhme die Emotionsregulation. Damit ist die Fähigkeit gemeint, seine Gefühle bis zu einem bestimmten Grad zu kontrollieren, ohne sie zu unterdrücken*. Diese Regulation wird vom Kind meist von den Eltern übernommen:

So kann man, wenn man wütend ist, die Wut z.B. ausdrücken, indem man in ein Kissen boxt, an die frische Luft geht, aber auch, indem man aggressiv wird, herumbrüllt oder womöglich zu Gewalt greift. Das Gleiche gilt für den Umgang mit Trauer. Man kann sich nach einem tragischen Verlust Gedichte schreiben, das Gespräch mit anderen suchen oder sich tagelang verkriechen, um das Erlebte zu verarbeiten. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass dein Kind wahrscheinlich denselben Weg, mit Situationen umzugehen, wählen wird, den seine Eltern ihm vorleben, solange es noch keinen anderen kennengelernt hat.* Für eine gesunde Entwicklung und eine starke Ausbildung der Resilienz müssen Stress und Sicherheit in einem Gleichgewicht stehen. Bei Babys ist vor allem die Sicherheit wichtig. Wenn ein Baby seine Bedürfnisse durch Weinen kommuniziert, was für es Anfangs der einzige Weg ist diese zu äußern, sollten sich die Eltern umgehend um das Kleine kümmern. Die sofortige Reaktion gibt dem Kind ein Gefühl der Geborgenheit und es erkennt, dass es an seiner Situation etwas ändern kann. So wird die Basis der Selbstwirksamkeit, dem Gefühl selbst etwas bewirken zu können, gebildet.*

Böhme schreibt, dass mit dem Alter des Kindes auch der Stress und das Risiko steigen sollten*. Natürlich immer auf einer sicheren Basis und in einem vernünftigen Maß. Kinder sollen auf Bäume klettern, ihre Knie aufschürfen und auch mal allein in den Supermarkt um die Ecke gehen dürfen.

Denn nur so können sie den Umgang mit Stress üben. Helikopter-Eltern vermeiden, dass ihr Kind darauf vorbereitet ist, wenn wirklich mal etwas passiert.

Auch Besuche von Sportvereinen, Musikinstrumente lernen, ins Theater und auf Konzerte gehen können positive Auswirkungen auf die Resilienz haben.

Böhme betont somit auch, dass wirtschaftliche und soziale Komponenten die Resilienz beeinflussen können.

Zuletzt trägt tatsächlich auch eine gute Ernährung zur Widerstandsfähigkeit der Psyche bei. Während schlechte Ernährung auf Dauer krank macht und somit den Körper und Geist stresst, wodurch die Resilienz überbeansprucht wird.

Wenn du wissen möchtest, wie eine gesunde Ernährung aussieht, schau dir gern den Artikel "Gesunde Ernährung für dich und deine ganze Familie" an.

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*Böhme, Rebecca (2019). Resilienz. Die psychische Widerstandskraft. C.H.Beck Verlag